Das Jahr 2024 endete in einer Katastrophe für mich. Am Silvestermorgen 2024 ist mein geliebter Kater Knut im Alter von 7 Jahren plötzlich verstorben, kurz nachdem ich ihn im Keller gefunden habe. Eine Welt ist für mich zusammengebrochen und mein Rutsch ins neue Jahr sowie die ersten Wochen 2025 waren voller Tränen & tiefer Trauer. Mir war nicht bewusst, dass es möglich ist, so sehr um ein Tier zu trauern.
Ich hoffte also sehr, dass das Jahr 2025 besser verlaufen wird als es angefangen hat.
Und das tat es, davon möchte ich dir erzählen.
Jeden Winter dasselbe: Die Buchungen brechen ein, die Sonne verschwindet, und mit ihr die Anfragen für Familienreportagen. Existenzängste. Jahr für Jahr. Dieses Muster wollte ich durchbrechen.“
Diese Ängste wollte ich nicht mehr haben. Ich suchte nach einer Möglichkeit, die mir Spaß macht und mit der ich gleichzeitig aber auch etwas Einnahmen generieren kann, jedoch unabhängig vom Wetter. Also habe ich mir Hilfe bei Katharina geholt, da ich keinen Plan von nichts hatte.
Also sprang ich über meinen Schatten – und das nicht nur einmal. Mich selbst per Video aufnehmen? Beim ersten Versuch habe ich die Aufnahme sofort gelöscht. Beim zweiten und dritten auch. Aber irgendwann klappte es und ich entwickelte meinen Onlinekurs, in dem Fotograf*innen lernen echte und emotionale Familienfilme zu erstellen.
Ich muss sagen, das war so eine so schöne Erfahrung, andere mit meiner Begeisterung anzustecken und zu sehen, wie sie das umsetzen was ich lehre.
Unser jährliches ZweiDreiKollektiv-Treffen ist jedes Jahr ein Highlight für mich.
Ein paar Tage mit diesen wundervollen Frauen, und die Welt draußen bleibt stehen.
Wir beschäftigen uns nicht nur mit unserem Business, sondern auch mit uns als Menschen. Vor ihren Kameras zeige ich mich verletzlicher als sonst irgendwo. Ich stehe da, in meinem Körper, mit all meinen Unsicherheiten – und fühle mich sicher.
Keine Kommentare über Körper. Keine Bewertungen. Nur ehrliche Worte ohne Verurteilung.
Diese Frauen halten einen Raum, in dem ich einfach sein darf.
Dankbar für dieses Kollektiv. Und wie schön, dass das nächste Retreat 2026 schon fast vor der Tür steht.
Die emotionalsten Fotoaufträge sind für mich immer die, bei denen mich die Menschen in ihre persönlichen Räume einladen, damit ich dort ihr Leben für sie festhalte.
Vor allem sind das Familien, die sich über das Kinderhospiz Bethel oder das ambulante Palliativteam dazu entscheiden, dass ich ihre letzten gemeinsamen Familienmomente festhalte.
Bei diesen Aufträgen gibt es kein „Können wir das nochmal machen?“. Keine zweite Chance. Auf der Fahrt dorthin spüre ich jedes Mal diese Mischung aus Aufregung und Verantwortung – schwer im Magen, aber auch eine tiefe Dankbarkeit, dass diese Familien mir vertrauen.
Es sind die letzten gemeinsamen Aufnahmen, die letzten Erinnerungen, die letzten Momente und ich spüre eine große Verantwortung, da ich eine sehr hohe Erwartung an mich und meine Arbeit habe und den Familien genau die Fotos schenken möchte, die sie sich wünschen.
Und dann passierte es: Zum ersten Mal verpasste ich eine Geburt. Das Telefon klingelte, ich sprang ins Auto – aber das Baby war schneller. Zehn Minuten nach dem Anruf war es da, ich brauchte eine Stunde Fahrtzeit. Als ich ankam, war die Geburt schon 45 Minuten vorbei.
Trotzdem: Die ersten Momente des Stillens, winzige Finger um den Finger der Mutter gewickelt, der ehrfürchtige Blick der großen Schwester – all das durfte ich festhalten. Es tröstete mich. Ein bisschen.
In solchen Momenten merke ich, dass es für mich nicht einfach nur ein Job ist, denn ich war wirklich traurig, dass ich die Geburt verpasst habe. Ich bin tage- oder wochenlang in Rufbereitschaft und möchte gerade für die schwangere Frau dieses einzigartige Ereignis für immer festhalten. Umso schlimmer ist es dann für mich, wenn ich nicht rechtzeitig da bin, obwohl ich alles gegeben habe.
Aber so ist es manchmal, manche Dinge kann ich nicht beeinflussen sondern einfach nur mein Bestes geben.
FrauTV hat Anfang des Jahres einen kleinen Videobeitrag über mein Fotoprojekt „Care-Arbeit“ veröffentlicht. Dieser wurde nur auf Facebook veröffentlicht.
Ich dachte mir nichts dabei, schließlich ist es ein wichtiges Thema für mich, was viel mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte.
Schnell habe ich jedoch gemerkt, dass sich auf Facebook einfach andere Menschen tummeln als bei Instagram. Die Kommentare reichten von „Wow. Tolles und wichtiges Projekt“ bis hin zu „Was sollen wir Alleinerziehenden denn sagen – stellt euch nicht so an“ oder „Care-Arbeit ist doch keine Arbeit. Früher haben wir das schließlich auch geschafft“.
Mittlerweile hat der Beitrag unglaubliche 472.000 Aufrufe und 969 Kommentare.
Die Antwort lautet Jaaaaa :). April 2025: Eine E-Mail von einer Journalistin vom WDR. Ich las sie dreimal, weil ich es nicht glauben konnte. Sie war auf mein Care-Arbeit-Projekt aufmerksam geworden und wollte darüber in der „Aktuellen Stunde“ vom WDR berichten.
Das war definitiv ein Meilenstein, denn ich habe gemerkt: Ja, ich kann sichtbar sein, auch wenn ich bei Social Media eher leise bin.
Wenn du mehr zum WDR Beitrag lesen willst oder dir den Beitrag anschauen willst:
hier ist der Blog Beitrag dazu.
Aber auch viele weitere Veröffentlichungen durfte ich dieses Jahr verzeichnen.
Zum Beispiel eine ganze Wochenbett-Strecke im Elternmagazin und eine Veröffentlichung im Spiegel Magazin zum Thema Care-Arbeit. Das ist immer ein so schönes Gefühl, wenn ich die Zeitschrift aufschlage und ein Bild von mir ist dort abgedruckt.
Mein Hauptgebiet ist die dokumentarische Familienfotografie, ganz klar. Der Fokus liegt auf den ungestellten Momenten und genau deshalb buchen mich die Familien auch immer wieder.
Dennoch habe ich dieses Jahr gemerkt, dass gerade neue Familien, die mich noch nicht kennen, meinen Stil super finden aber sich etwas scheuen eine 2-stündige Reportage zu buchen. Deshalb gibt es seit einigen Monaten die Mini Reportage von 45min, was auch sehr gut angenommen wird.
Auch wenn ich viel lieber lange Reportagen mache, da genau dort der wahre Kern der Familie zu finden ist, möchte ich allen neuen Familien ermöglichen, mich und meine Art der Fotografie kennenzulernen. Deshalb wird es diese Mini Shootings auch weiterhin geben. Natürlich auch ein bisschen in der Hoffnung, dass die Familien merken, wie schön diese Erinnerungen sind und dann mehr wollen ;).
Was ich dieses Jahr weiter fokussieren werde sind Familienfilme.
Ja, private Filme sind eine große Nische und noch überhaupt nicht verbreitet, aber ich glaube so fest daran, dass sich das bald ändern wird, wenn die Familien erkennen, wie unglaublich wertvoll diese Filme sind.
Natürlich zählen zu meinen Fotoaufträgen 2025 auch viele wunderschöne Hochzeiten (meine Hochzeitsfotografie ist auf einer separaten Website ausgelagert) Besonders in diesem Jahr habe ich gemerkt, dass ich mittlerweile genau die Paare erreiche, die meine absoluten Traumpaare sind. Sie verstehen meine Arbeitsweise und kommen genau deshalb zu mir.
Sie wollen keine perfekt inszenierten Fotos. Sie wollen den Moment, in dem die Braut ihrer Oma zuflüstert, dass sie schwanger ist. Die Tränen des Vaters. Das Lachen, das durch den ganzen Saal hallt. Momente, die man nicht wiederholen oder inszenieren kann.
Ich habe gemerkt, wenn die Paare mir voll vertrauen und ich komplett frei arbeiten kann, bekommen meine Reportagen eine noch ehrlichere Note als sie es eh schon haben.
Und genau diese Hochzeiten erfüllen mich sehr und lassen mich mit einem dicken Grinsen im Gesicht nachhause fahren.
Der Struggle zwischen Beruf und Familie, zwischen eigenem Sport und der Unterstützung bei Schule und Hobbys der Kinder, auch 2025 ging er weiter.
Der Fußball des Sohnes war schon immer zeitaufwendig. Dazu kam nun das Cheerleading-Training der Tochter, mindestens genauso intensiv.
Ich sitze also an mindestens drei Nachmittagen pro Woche im Auto und pendle zwischen Bielefeld-Milse, Theesen, Stieghorst und Mitte hin und her. Dazu die Wochenenden: Meisterschaften, Fußballspiele, Zusatztrainings.
Vom täglichen Schul- und Klausurstress ganz zu schweigen.
Manchmal frage ich mich: Wie sollen wir Eltern das alles schaffen? Vor allem in den wärmeren Monaten geben wir uns die Türklinken in die Hand und jonglieren alles gleichzeitig – irgendwie.
Und doch: Ich liebe es, die Kinder bei ihren Spielen und Auftritten zu begleiten und anzufeuern. Mit der Kamera in der Hand halte ich diese Momente fest, damit sie sich später an diese tolle Zeit erinnern können.
Nach dem schweren Verlust meines Seelenkaters zog im Jahr 2025 unsere neue Katze Milka ein. Wir adoptierten sie auch Bugarien, dort wurde sie schwanger von der Straße gerettet und sucht ein liebes Zuhause.
Sie wohnt nun mit unserem zweiten Kater seit ein paar Monaten bei uns und ist unsere kleine Fressmaschine, wie wir sie liebevoll nennen.
Loslassen. Das Wort klingt so leicht, aber die Umsetzung? So schwer. Dieses Jahr habe ich gelernt, dass nicht jede Meinung über meine Arbeit, mein Business, meinen Weg gleich viel wiegen muss. Manche Stimmen dürfen leiser werden.
Ich habe mich intensiver mit meinem Business beschäftigt, denn ich möchte von diesem Beruf leben. Früher dachte ich: Bessere Fotos = mehr Erfolg.
Heute weiß ich: Ein Business steht und fällt mit dem Marketing. Ausgerechnet mit dem Teil, der mir am wenigsten liegt.
Ein Leben ohne Selbstständigkeit kann ich mir gerade einfach nicht mehr vorstellen. Auch wenn es sehr verlockend ist, dass mein Arbeitgeber die Hälfte der hohen Krankenkassenbeiträge bezahlen würde.
Davon leben bedeutet aber für mich in dem Fall auch, ab und zu Aufträge zu fotografieren, die auch mal nicht zu 100% zu mir passen, meine Familie aber ernähren können.
Gleichzeitig bedeutet es auch, dass ich bestimmte Dinge nicht fotografieren kann, da sie zu wenig wirtschaftlich sind. Und das ist leider die Geburtsfotografie. Sie ist nicht planbar und passt leider in den meisten Fällen nicht mit der Hochzeitsfotografie zusammen.
Ich möchte gerne die Zeit finden, mich wieder meinem Fotoprojekt „Care-Arbeit“ zu widmen. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen und ich bin immer auf der Suche nach Familien/ Frauen, die an dem Projekt teilnehmen möchtet -> meldet euch!
Auch möchte ich 2026 meine Businessfotografie weiter ausbauen und Wege finden, die mich etwas unabhängiger von der Hochzeitsfotografie machen.
Aber mein größtes Ziel: Weiterhin mit genau den Menschen zusammenarbeiten, die verstehen, was ich tue und warum ich es tue.
Das Jahr begann mit Tränen und es endet mit Dankbarkeit.
Dankbar für jeden Auftrag, jede Familie, jedes Vertrauen. Und dankbar dafür, dass aus dem schweren Anfang doch noch ein Jahr wurde, das mich wachsen ließ – als Fotografin und als Mensch.
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